„Demokratie-Show“ Bundespräsidenten-Wahl

Für die Politik interessieren sich wenige – für Wahlen umso mehr. Jetzt ist es wieder so weit, es wird gewählt und das Volk kann darüber reden und muss nichts weiter machen, kein Wahllokal aufsuchen und auch sonst nichts. Gewählt wird der Bundespräsident (bzw. die Bundespräsidentin) von der Bundesversammlung. Eine echte Demokratie-Show. Die kommende Bundesversammlung hat 1.244 Mitglieder und tagt am 30. Juni. Sie besteht aus den Mitgliedern des Bundestages und zu gleichen Teilen aus gewählten Mitgliedern aus den Bundesländern – das kann, zumindest theoretisch, jede(r) wahlberechtigte Bürger(in) sein. Die Regierungskoalition verfügt in der Bundesversammlung über eine Mehrheit von 20 Stimmen und FDP-Chef Guido Westerwelle sieht den Kandidaten der Regierungskoalition Christian Wulff bereits als Bundespräsidenten. Die Opposition stellte ebenfalls einen Kandidaten und Herr Gauck überrascht, denn im Internet erfährt er großen Zuspruch. Es gibt weitere Kandidaten von der NPD und Die Linke, die jedoch chancenlos sind. Es erscheint wie eine Show, die Bundesversammlung wird sich treffen und alle werden wählen, wie von den Parteichefs angeordnet und unser nächster Bundespräsident wäre Christian Wulff. Was aber, wenn es anders käme? Was, wenn es gar nicht um die Wahl des Bundespräsidenten geht, sondern um eine verkappte Vertrauensfrage über die Kanzlerin und die Regierungskoalition. Frau Merkel stellt die Vertrauensfrage nicht und mit dem Rücktritt von Horst Köhler gerät nun alles ins Wanken. Das Motto der Bundespräsidenten-Wahl am 30.06. lautet: „Stolpert Christian Wulff, stürzt Angela Merkel“. Wenn nur 20 Stimmen aus Regierungskoalition gegen Herrn Christian Wulff stimmen würden, käme das einem Misstrauensvotum für Frau Merkel gleich und hätte entsprechende Folgen. Sie käme wahrscheinlich nicht um die Vertrauensfrage im Bundestag herum und sollte diese ebenso ausfallen (was sehr wahrscheinlich wäre), würden wieder einmal Neuwahlen anstehen (und Frau Merkel hätte nach dem aktuellen Leistungsstand mehr als schlechte Chancen, ganz gleich wer gegen sie anträte). Die anders abstimmenden Parteimitglieder würden mit dem Votum jedoch selbst die Macht aus den Händen geben. Ein höchst unwahrscheinlicher Fall, bei der enormen Unterstützung für Herrn Gauck im Internet aber auch nicht auszuschließen. Der 30. Juni wird also kein wirklich spannender Tag werden – Frau Bundeskanzlerin Angela Merkel bis dahin aber sicher nicht besonders gut schlafen. The show must go on...
11.6.10 12:34


Geburten-Tiefststand in Deutschland

Verwundert schauen die FamilienpolitikerInnen des Landes auf die Geburtszahlen, die einen neuen Tiefststand markieren. Auch wenn in der Zwischenzeit eine Trendwende erhofft wurde, scheinen alle verabschiedeten Maßnahmen inzwischen doch wirkungslos zu sein. Warum wollen die Bürger in einem Land, dass den größten Wohlstand weltweit verzeichnet keine Nachkommen zeugen? Hierzu gibt es eine Menge Umfragen und nachvollziehbare Erklärungsmodelle – die Priorität, die Kinder in diesem Land genießen wurde uns jedoch von dem Ministerpräsidenten Hessens, Herrn Koch, wieder deutlich vor Augen geführt. Er will bevorzugt bei Kindertagesstätten und Schulen sparen. Nicht nur, dass es inzwischen internationaler Konsens ist, dass man damit vor allem an der Zukunft einer Nation spart und sich Herr Koch als außerordentlich kurzsichtig präsentiert, nein, er zeigt auch nur zu deutlich, dass sich kein Bürger in Deutschland auf die Politik verlassen kann. Die deutsche Politik bleibt kurzsichtig und kleinkariert auf die Erreichung ganz kurzfristiger Ziele ausgerichtet. Dieses scheint der Preis zu sein, der für eine Demokratie bezahlt werden muss - so traurig das erscheint - und jedes halbwegs intelligente wehrlose Volk kennt darauf nur eine Antwort: Aussterben!

18.5.10 16:49


Die Regierungskoalition wurde „auf den Pott gesetzt“...

Härter als in NRW kann man sich in der CDU eine Wählerreaktion kaum vorstellen. Die Bundeskoalition aus Union und FDP wurde auf das heftigste abgestraft. Nichts hat sie seit der Bundestagswahl nach vorne gebracht, obwohl der Bundeskoalition alle Möglichkeiten dafür zur Verfügung standen. Statt dessen werden Milliarden an die Europäische Union und damit an Griechenland weitergereicht, das Risiko für die Bundesrepublik Deutschland unnötig in die Höhe geschraubt und das Kredit-Rating der Bundesrepublik Deutschland geschwächt. Ob der Kapitalmarkt dadurch den Glauben an den Euro wiederfindet bleibt zudem fraglich. Die Bundesbürger fragen sich, weshalb für die Sozialleistungen der Griechen gezahlt wird und die eigenen Bürger sich einschränken sollen. Die Bundeskoalition scheint sich auf die Öffentlichkeitsarbeit zu beschränken, doch dafür wurde sie nicht gewählt. Angela Merkel lässt ihren Zorn über das Ergebnis auch freien Lauf und sagt die versprochene Steuerentlastung bis auf weiteres ab. Nach der verlorenen Wahl in Nordrhein Westfalen kann sie nun ohnehin nichts mehr ohne die SPD entscheiden. Damit haben wir auf Bundesebene eine Defakto-Koalition zwischen SPD, Union und FDP, für die Schwarz/Gelb die Verantwortung zu tragen hat. Das Ergebnis wird sein, dass es jetzt wieder einen offiziellen Grund dafür gibt, dass nichts passiert. Also werden wir uns auf weitere drei Jahre Stillstand einstellen müssen, bevor Frau Merkel abgewählt wird – aber in dieser Zeit ist noch genug Zeit für Öffentlichkeitsarbeit und der „Beförderung“ der  eigenen Leute.

12.5.10 11:22


Wenn Schurken mit Schurken verhandeln

Der internationale Handel mit gestohlenen Daten blüht und die Bürger wundern sich. Wieso wird daraus eigentlich so ein großes Thema gemacht? Eigentlich geht man als „007-sehender“ Bürger doch davon aus, dass sich um solche Informationsbeschaffung der Geheimdienst kümmert und der Staat sich derlei geheimdienstlicher Kenntnisse bedienend an die Sachverhaltsaufklärung begibt – ohne viel Wind darum zu machen. So ist es aber nicht, stattdessen werden wochenlange Diskussionen in den Medien geführt und die politischen Akteure treten auf, als wäre der Kauf einer CD mit geklauten Daten ein demokratischer Prozess. Alle wissen, dass es nicht so ist und die Minister solche Deals direkt umsetzen könnten – warum wird also dieser Weg gewählt? Eine ethische Diskussion zu führen, dass es sich um Hehlerware handelt, die von Dieben angeboten wird ist ein interessantes Instrument – die politische Elite stellt sich hin und philosophiert wochenlang auf hohem ethischen Niveau – die Inhalte wären am Kamin in wenigen Stunden gemeinschaftlich ausgetauscht, aber dann würde für die Akteure nicht der Nutzen entstehen, dass die Öffentlichkeit mitbekäme mit welch’ hohem ethischen Bewusstsein gehandelt wird. Das ist ein toller Effekt: Die PolitikerInnen, denen nicht gerade das ethische Handeln zugesprochen wird bekommen plötzlich eine Art „Heiligenschein“ und sie hoffen vielleicht darauf, dass die WählerInnen von diesem Schein im nächsten Wahlkampf zumindest noch einen Hauch wahrnehmen. Den Bürgern ist längst klar: Der Rechtsstaat ist eine schöne Illusion, der Staat hält sich nicht an Regeln – er stellt die Regeln auf und zeigt seine Macht täglich aufs Neue. Oder geht es vielleicht vor allem darum Zeit zu gewinnen? Über maximal 6 Kontakte soll jeder Mensch mit jedem anderen auf der Welt verbunden sein und das bedeutet auch, dass die politische Elite jene Menschen auch persönlich kennen dürfte, deren Daten sich auf den CDs befinden. Es wäre ja nicht besonders schön, wenn plötzlich ein wichtiger Teil der Bekanntschaft vorbestraft wäre – also muss man ihnen Zeit geben, sich selbst zu „outen“, bzw. eine Selbstanzeige vorzunehmen. So grast man politisch die Länder ab, die als „Steueroasen“ gelten und jedes Mal kommen wieder ein paar tausend Selbstanzeigen bei den Finanzämtern an – es sei denn, ein Akteur soll demontiert werden, wie seinerzeit Herr Zumwinkel, dann geht alles sehr schnell und auch die Presse bekommt einen Hinweis, damit das gesamte Volk den Vorgang wie eine Art „Hinrichtung“ miterleben kann. So verhielten sich die Monarchen in allen Zeiten und es scheint sich nicht viel verändert zu haben – mit Ethik hat das allerdings gar nichts gemeinsam.
2.3.10 08:23


Laviert sich Frau Bundeskanzlerin Merkel durch ihre letzte Amtszeit?

Über Jahrzehnte hielt sich Helmut Kohl als Bundeskanzler durch das „Aussitzen“ von Themen, Gerhard Schröder scheiterte mit seiner „Politik der ruhigen Hand“ da schon schneller. Angela Merkel hat für sich einen anderen Weg gewählt und fährt eine gnadenlose „Politik des letzten Wortes“, indem sie niemals vorweg geht und die Richtung vorgibt, sondern „politisches Kanonenfutter“ mit Themen vorschickt und dann ruhig abwartet, wie das Volk reagiert – dann schließt sie sich der jeweiligen „Mehrheit“ an und spricht ein „Machtwort“. Nach der Bundestagswahl 2009 hätte der Wähler anderes erwartet, denn es erschien möglich, dass wirklich große Reformen eingeleitet werden. Die lang ersehnte Steuerreform zum Beispiel, mit der man vielleicht mehr als die Hälfte an unnötigen Gesetzestexten auf den Müll hätte befördern und damit dem Volk die Möglichkeit des Durchblicks hätte zurückgeben können. Tatsächlich wird aber gar nichts reformiert, aufgeräumt oder gerechter gestaltet. Keines jener einstigen Wunschprojekte wird angegangen und wertvolle Ansätze sind der strategischen Tagespolitik offensichtlich schnell zum Opfer gefallen. Im letzten Wahlkampf sprach Angela Merkel auch nicht mehr davon, dem Volk dienen zu wollen. Braucht Deutschland so eine Kanzlerin? Es wirkt irgendwie auch sehr sympathisch, wenn die politische Elite zeigt, dass sie selbst überhaupt keine Ahnung hat, was richtig und gut wäre – und menschlicher könnte es kaum zugehen. So ergehen sich die Akteure täglich ein einer Art farblosen politischen Verwaltung und vordergründiger Kommunikation. Es ist ja auch keineswegs notwendig, das Deutschland auf Dauer eine international führende Position einnimmt. Irgendwann sind die Schecks auch nicht mehr gedeckt, mit denen man sich heute noch diese Rolle zu erkaufen versucht und dann sind ohnehin andere mit der Aufräumarbeit befasst. Möglicherweise will aber die Bevölkerung auch genau diese „Politik des letzten Wortes“ mit der jeweiligen wahrnehmbaren vorherrschenden Meinung und eine echte Alternative scheint ein Lehrer aus Niedersachsen auch nicht zu sein - der sich bisher zudem auch nur durch gesprochenes Wort besonders hervortat. Möglicherweise ist es eine Art kollektive Erkenntnis, dass eine echte Veränderung unmöglich ist. Die politische Elite ist der, von den Zwergen (bestehend aus Lobbyisten, Verwaltern, Journalisten, Banken, künftigen Arbeitgebern, anderen Eigeninteressen, uvm.), am Boden gefesselte Riese und hat keine Ahnung wie es weiter gehen soll. Dieser Riese ist dennoch getrieben von dem Verlangen, trotzdem wieder gewählt zu werden - und hofft alle Jahre wieder auf ein abgelenktes oder abgestumpftes Volk. Möglicherweise kommt aber auch alles ganz anders und die Menschen verändern die Welt entgegen der politischen Erwartungen so schnell, dass etwas ganz Neues entsteht. Ob Frau Merkel aber dann noch das „Letzte Wort“ haben darf, als eine Art „Marionette der Zwerge“ wird sich zeigen...   

27.2.10 08:05


Wie wird eigentlich entschieden ob unser Staat Geld hat und wofür es genutzt wird?

Diese Frage stellt sich besonders seit der großen Finanzkrise. Der Staat hatte für nichts Geld, für die Rettung von Banken wurden aber plötzlich 100 Mrd. Euro bereit gestellt. Für die Unterstützung von Megakonzernen dann noch einmal etliche Milliarden und plötzlich war auch Geld vorhanden, um die dringendsten Sanierungsarbeiten an unseren Schulen durchzuführen. Nun muss dazu gesagt werden, dass nicht alles Geld wirklich auch direkt ausgezahlt wurde, sondern ein Teil des Geldes in Form von Bürgschaften gegeben wurde – alle wissen jedoch, dass Bürgschaften immer auch bedeuten können, dass das Geld wirklich bezahlt werden muss und daher kosten Bürgschaften ebenfalls Geld (bei nur 1% pro Jahr kosten 100 Mrd. Euro Bürgschaft z.B. 1 Mrd. Euro im Jahr). Die Schulen sind unterdessen natürlich nicht vollständig saniert sondern nur ein Teil der Schulen und diese wiederum auch nur zum Teil - aber immerhin. Das aufgewendete finanzielle Volumen zeigt, wie katastrophal die Untätigkeit unserer politischen Führung über Jahrzehnte mit der Instandhaltung der „Zukunftsinstitution Bildung“ umgegangen ist. Mit den Straßen verhält es sich nicht anders, sie sind in einem schlechten Zustand und dieser wird besonders nach dem Winter offensichtlich. Es gibt überall Schlaglöcher und viele Straßen müssen besonders gesichert werden, damit die Schäden an Mensch und Fahrzeug nicht im Totalschaden enden. Und der Staat hat natürlich kein Geld für die professionelle Instandhaltung und flickt nur notdürftig, alles andere würde wieder einmal mindestens eine Milliarde kosten. Völlig egal, dass für die gezahlten Steuern auch die Infrastruktur erhalten werden soll. Gleichzeitig blickt man auf einen Lagerbestand von ca. 500 Millionen Euro an Schweinegrippe-Impfstoffen, die kein „Schwein“ braucht oder will. Das Geld für die Behebung der von der SPD und Grünen organisierten verfassungswidrigen Hartz IV-Versorgung von Kindern in Deutschland in Höhe von 250 bis 500 Millionen Euro scheint schwierig zu bewerkstelligen zu sein und auch mit dem Armutsrisiko von Familien müssen jene selbst irgendwie zu Leben lernen, für die Abwendung der griechischen Staatspleite will Deutschland aber bis zu 5 Mrd. Euro zur Verfügung stellen – und warum? Weil wieder einmal Banken im Spiel sind. Die Banken haben dem griechischen Staat das Geld geliehen, die Staatspleite damit organisiert und die Darlehen laufen jetzt aus. Damit ist natürlich keineswegs geurteilt, ob diese Maßnahme richtig oder falsch ist, es stellt sich aber die Frage, weshalb für derlei Aktivitäten derartig hohe Mittel zur Verfügung stehen und im eigenen Land gegensätzlich agiert wird. Woher soll die Motivation im Volk kommen, wenn Verantwortung und Gerechtigkeit von den Staatsdienern derartig gestaltet werden? Monetär schwerwiegender ist jedoch die Festestellung, dass durch derlei Vorgängen dem Volk auf Jahrzehnte Kaufkraft geraubt wird.

22.2.10 21:00


The next Bubble

Es erscheint alles wieder in bester Ordnung. Die Banken schreiben wieder Gewinne, die Kurse steigen, die Auftragseingänge steigen, die Dividenden der Dax-Konzerne befinden sich auf Vorjahresniveau und die Arbeitslosenzahlen sind niedriger als erwartet. Alles ausgezeichnete Meldungen, die uns positiv in das Jahr 2010 einstimmen. Eine kapitalistische Welt atmet auf und klopft sich auf die Schulter, denn „dank des ausgezeichneten Krisenmanagements“ kam es nicht einmal zu einem blauen Auge – von denen der SteuerzahlerInnen einmal abgesehen. Die Finanzbranche schlägt sich auf die Schenkel und freut sich über die Bonuszahlungen. Ist alles wieder in bester Ordnung? Bei derartig überraschenden Meldungen scheint es sinnvoll, einmal genauer hinzusehen. Die Arbeitslosenzahlen sind ungewöhnlich niedrig, was bei genauerer Betrachtung nicht überrascht. Die Menschen werden in Kurzarbeit beschäftigt gehalten – eine durchaus sinnvolle Maßnahme, jedoch kein Indiz für eine Markterholung. Die Dividenden der Dax-Konzerne bleiben deshalb auf Vorjahresniveau, weil die Konzerne Rücklagen auflösen. Normalerweise werden Rücklagen gebildet, um für Krisenzeiten vorzusorgen, doch das erscheint nicht mehr notwendig – warum nur? Dass die Auftragseingänge wieder steigen ist ebenso interessant, denn wenn man von einer Reduzierung von 25% ausgeht, muss sich der Auftragseingang in den folgenden 3 Jahren um jeweils 10% steigern und das alte Niveau ist nur knapp erreicht. Wenn die Inflationseffekte eingerechnet werden, müsste die Steigerung noch höher ausfallen. Tatsächlich bildeten (in US$ betrachtet) die Jahre 2005 bis 2009 einen absoluten Höhepunkt des Auftragsvolumens – was sich schnell relativiert, wenn man das Volumen in Euro umrechnet und damit den Dollarkurs einbezieht. Jetzt haben wir jedoch den gleichen schlechten Dollarkurs und zusätzlich einen dramatischen Rückgang der Auftragseingänge – wird das ohne Auswirkungen auf die Gewinne unserer Wirtschaft bleiben? Kann das durch Kurzarbeit dauerhaft aufgefangen werden? Auch die Banken schreiben wieder Gewinne, doch woher kommt das Geld? Bei genauer Betrachtung stellt man fest, dass es aus dem Finanzmarkt selbst generiert wird. Abgeschriebene „Wert“-Papiere werden restrukturiert, der bessere Teil erhält von den Rating-Agenturen ein neues Rating und wird bei den Banken wieder zugeschrieben. Die Börsen steigen mit dem Geld der Zentralbanken (in den USA seit Anfang 2007 ein Plus von 100% und in Europa ein Plus von fast 50%). Es werden Spekulationsgewinne eingefahren, die alle miteinander zur allgemeinen Gewinnschöpfung nutzen – bis die Blase wieder platzt und der Kreislauf abermals unterbrochen wird. Das die Blase platzen muss, scheint sicher, denn woher sollen die Gewinne kommen, um die Kurse der meisten Aktien zu rechtfertigen? Sollen die Werte aus einer Inflation entstehen? Es stellt sich die Frage, weshalb gerade in dieser fragilen Situation Rücklagen aufgelöst und an die Aktionäre ausgeschüttet werden und die Banken wieder so schnell in den regen Handel mit Wertpapieren eingestiegen sind. Die Antwort liegt auf der Hand: Die Investoren haben aus dem Krisenverlauf gelernt. Droht ein wichtiges Unternehmen in die Insolvenz zu fallen, ist der Staat zur Finanzierung bereit – im Zweifel werden auch die Aktionäre hierzu enteignet (siehe „HRE“ Hypo Real Estate). Je weniger finanzielle Mittel im Unternehmen verbleiben, umso effizienter verläuft die Sanierung mit staatlicher Unterstützung für die Aktionäre (es ist besser die letzte Auflage eines Versandhauskataloges mit staatlichen Mitteln zu finanzieren, als aus Rücklagen). Es liegt auf der Hand, dass die kommenden 4 Jahre schwierig werden und es wird jetzt ausgeschüttet, was möglich ist.
19.11.09 12:49


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